Watfischen

Watfischen ist eine Form der Spinfischerei.

Die Bezeichnung kommt vom -Hineinwaten- ins Wasser. Der Angler steht, entsprechend gekleidet, mitten im Wasser und angelt dort wo die Fische sind.

Es ist wirklich so weit draußen, wie es scheint.

Um erfolgreich die Watfischerei ausüben zu können, muss sich der Angler selbst in ein Multitool verwandeln. Im Gegensatz zur stationären Angelei muss der Angler alles an seinem Köper haben und trotzdem die Hände frei zur Bedienung der Angel. Am Ufer wird bei der Watangelei nichts zurück gelassen, dass bedingt eine genaue Vorstellung über den Zielfisch, die Wetterbedingungen und Gewässerkenntnis. Das Gerät wird dementsprechend gewählt, die Köder zusammengestellt und sich selbst autark ausgestattet. Jede Eventualität muss eingeplant werden, dann können wir entspannt ins Wasser gehen und unserem Fisch auf die Schuppen rücken.

Eine kleine Übersicht der Dinge, die man so mitschleppen muss, zu den einzelnen Sachen komme ich noch.

  • Wathose, Jacke, Gürtel und eventuell Handschuhe
  • Rute mit Rolle
  • Hakenlöser, Priest, Messer, Maß
  • Watkescher
  • Fischgalgen
  • Kunstköder, Fliegen
  • Ersatzmaterial (Wirbel, Sprengringe, Karabiener)
  • Ersatzvorfächer (Flourocarbon, Stahl)
  • Watstock

Die Einzelteile sollten gegen Herunterfallen gesichert sein. Eine aus der Hand gerutschte Zange wird man im Bauchtiefen Wasser kaum wiederbekommen. Hierzu gibt es im Handel entsprechende Spiralen oder Automatikrollen, ich selbst sichere alles mit sehr dünnen Bändern, auch die Köder-/Kleinteildosen.

Die Wathose gibt es in diversen Ausführungen. Drei Hauptmerkmale werdet Ihr finden, Neopren-, Atmungsaktive- und Folienhosen. In der Angelei werden normalerweise nur Neopren oder atmungsaktive Hosen verwendet. Folienhosen sind meist Arbeitshosen für den gewerblichen Gebrauch. Für welche Hose sich der Einzelne entscheidet hängt von der persönlichen Vorliebe ab. Neopren isoliert gegen die Kälte von aussen, bei atmungsaktiven Hosen muss sich der Angler durch entsprechende Unterwäsche gegen Kälte schützen. Ob die Schuhe fest an der Hose angebracht sind oder zusätzlich übergezogen werden, sollte darauf geachtet werden, dass sie eine Filzsohle haben. Eine nasse Filzsohle durch Sand laufen und damit extrem rutschsicher machen. Es hat so mancher Angler ein Vollbad genommen, wenn er mit Gummisohlen auf glitschigen Steinen ausgerutscht ist.

  Neoprenwathose         atmungsaktive Wathose

Eine Watjacke macht den Angler von Oben wasserdicht. Die Jacken sind kürzer geschnitten und mit einem Gummizug auf Brusthöhe fixierbar. Wasser und Winddicht sollten sie sein. Wenn einem eine Welle im tiefen Wasser trifft, läuft die Hose nicht sofort voll. Auch bieten diese Jacken große Taschen für Boxen, D-Ringe und andere Befestigungsmöglichkeiten für den Kleinkram. Gute Jacken verfügen über einen D-Ring im Nacken, für den Watkescher, damit er nicht im Gürtel klemmt und trotzdem schnell zur Hand ist. An der Vorderseite sind kleine Karabiener mit Spiralen angebracht für Hakenlöser, Priest oder andere Kleinteile.

  

Der Watgürtel besteht in den meisten Fällen aus Kunstoff und Cordura. Ausführungen aus Neopren (Nierengurt) sind in manchen Fällen auch anzutreffen. Der Gürtel verhindert, dass die Hose gänzlich und schnell voll läuft bei einen Bad und man kann gut den Watkescher, Fischgalgen oder was auch immer daran befestigen. Ich stecke meinen Watkescher hinten in den Gürtel, da ich ein sehr großes Modell nutze stöhrt es dort nicht beim Fischen und ich komme trotzdem gut ran.

Auf die Grundausstattung wie Rute, Rolle, Messer, Priest, Maß und Hakenlöser möchte ich hier nicht weiter eingehen, sollte jedem Angler klar sein. Genau so sollte jeder wissen, welche Köder und Ersatzmaterial er mitnehmen möchte. Wer weit vom Ufer entfernt steht hat es schwer bei jedem Köderwechsel oder Abriss an Land waten zu müssen. Ganz zu schweigen von den Dieben, eine unbeaufsichtigte Angeltasche verbleibt nicht mehr als 15 Minuten unangetastet. Bei manchen Riffen in der Ostsee bedeutet, dass ein Rückweg bis zu 45 Minuten lang sein kann.

Der Watkescher ist keine Pflicht aber bei kampfstarken Fischen zu empfehlen. Durch seinen kurzen Griff behindert er den Angler nicht und ist schnell zu Hand. Wenn der gefangene Fisch versorgt ist und behalten werden soll kommt der Fischgalgen zum Zug. Entweder ein Metallring oder ein Band mit Karabienern ermöglicht den Fisch am Gürtel zu befestigen und ungestört weiter zu angeln.

Der Watstock ist der Blindenstock des Anglers. Wir können unter Wasser keine Steine, Spalten oder andere Hindernisse erkennen. Der Stock ermöglicht uns Hindernisse und die Bodenbeschaffenheit zu ertasten. Gerade für die Angler wichtig, die auf den Steinriffen der Ostsee unterwegs sind. Da kann schon ein Fehltritt einen Wassertiefenunterschied von bis zu fünf Meter machen. Entweder sicher knietiefes Wasser oder ein Vollbad ohne Grund unter den Füßen. Man hat diverse Möglichkeiten, zunächst einen Watstock aus dem Fachhandel, kostet rund 40,-€, zum Anderen man nimmt alte Walking-, Skilanglauf- oder Skatingstöcke. Die Stöcke dürfen keinen Teller am Ende aufweisen. Eine Metallspitze dagen ist Pflicht, um die Tastempfindlichkeit zu erhöhen. Die Länge sollte so gewählt werden, dass wenn der Stock vor einem auf dem Boden steht, er eine Faustlänge über die Oberkante der Wathose hinausragt. Behält man trockene Finger kann auch nichts in die Wathose laufen, schnell und einfach die Wassertiefe einzuschätzen ist enorm wichtig.

  Der Watstock ist gut zu erkennen.

Thema Sicherheit, wenn Ihr auf einem Steinriff der Ostsee unterwegs seid kann ein großes Schiff weit außerhalb der Sichtweite vorbei fahren und dann große Wellen zu Euch schicken. Diese Wellen erreichen leicht einen und mehr Meter Höhe, sie würden Euch unweigerlich vom Riff spühlen. Also wer weit vom Ufer entfernt der Watfischerei nachgeht sollte sich eine Schwimmweste zulegen und diese dann auch tragen. Auch ohne Boot kann man schnell in Seenot geraten. Mich selbst hat es schon des Öfteren getroffen, gerade auf den Riffen vor Bornholm treten die großen Schiffswellen regelmäßig auf. So manches Mal musste ich mit vollgelaufener Hose zurück an Land, kalt, nass und fürchterlich nervig. Es ist aber den Spaß wert.

Vor der Sose Odde/Bornholm

Soweit zu den Grundlagen, jetzt die Möglichkeiten, die uns eine Watausrüstung bringt.

In Seen und Bächen können wir genug Abstand zum Uferbewuchs gewinnen. Freies Werfen, nicht nur für Fliegenfischer wichtig, ermöglicht eine gute Köderpräsentation. Auch der Rückwurf zum Ufer, unter die überhängenden Bäume, ermöglicht die Unterstände der Fische zu erreichen. Egal wo wir fischen, sollte man nie blind einfach ins Wasser laufen, viele Fische stehen in unmittelbarer Ufernähe und würden nur verscheucht werden. Die Ostsee, die Baelte und das Kattegat bieten mit die besten Voraussetzungen zum Watfischen. Steinriffe, Sandbänke und ausgedehnte Flachwasserzonen werden erst durch die Wathose richtig beangelbar. Da man alles bei sich trägt ist man auch mobil und kann seinen Standort schnell wechseln. Sollten die Fische mal nicht an der Lieblingsstelle sein, ist es einfach eine große Strecke zu befischen und so die Fische zu finden. Dem Fisch entgegen zu gehen, keine Gewaltwürfe machen müssen oder mitten im Schwarm zu stehen (siehe das Beitragsbild ganz oben) sind schon Gründe genug.

Hat nicht so direkt mit dem Fischen zu tun aber ich liebe die Ruhe, kein Nichtangler kommt vorbei und stellt dumme nervende Fragen.

Zum Schluss möchte ich noch die Bitte wiederholen, alles, aber auch alles Material mit Leinen zu sichern. Ein Kescher, Lipgrip, Köderbox oder die Rute sind schnell verschwunden und stellen nicht nur einen wirtschaftlichen Schaden dar. Der Angeltag ist schnell versaut, eine verlohrene Köderbox hat leicht einen Wert von 100€ und nimmt einem jegliche Lust zum Weiterfischen.

  

Wer sich gut und in Ruhe vorbereitet, hat eine spannende und erfolgreiche Fischerei vor sich.

Gruß Arne

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